Dein Riester-Vertrag wird zur Vertriebschance: So funktioniert die Manipulation im Vertrieb

Ich lese gerade viele Konzepte, für manipulative Verkaufsstrategien in der Versicherungsbranche. Mit allen Mitteln wird darum gekämpft, dass du deinen Riester-Vertrag beim Versicherer stehen lässt resp. in sein AV Depot überträgst.

Du sitzt im Beratungsgespräch. Der Berater fragt nach deinen Wünschen, deinen Zielen, deinem Leben. Es fühlt sich persönlich an, ja, fast fürsorglich. Am Ende unterschreibst du etwas, das du dir vorher nicht vorgenommen hattest. Und irgendwas in dir ist unsicher: War das deine Entscheidung oder eine, in die du gerade eben gesteuert wurdest?

Ab 2027 ändert sich die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend. Riester wird durch das neue Altersvorsorgedepot ersetzt. Erstmals dürfen Banken, Fondsgesellschaften und Neobroker dasselbe geförderte Produkt anbieten wie Versicherer. Du könntest ab 2027 ganz allein, über eine App, staatlich gefördert vorsorgen, ohne Vermittler, ohne Provision, ohne Beratungstermin.

Das ist eine gute Nachricht für dich. Für die Versicherungsbranche ist es eine Bedrohung. Ganze Geschäftsmodelle hängen daran, dass du weiter über einen Vermittler abschließt, und deshalb wird gerade viel Energie in Vertriebsschulungen gesteckt, die genau zeigen, wie man dich trotzdem an sich bindet. Ich habe mir angeschaut, welche Techniken darin immer wieder auftauchen. Das Ergebnis ist keine Grauzone. Es ist Manipulation, Schritt für Schritt trainiert.

Der hohe Anker

Bevor überhaupt über Produkte gesprochen wird, fragt dich der Berater nach deinem Wunscheinkommen im Alter. Der erste genannte Betrag wird bewusst hoch angesetzt, oft über mehrere fiktive Gehaltssprünge in der Zukunft. Je höher dieser Anker, desto größer wirkt später die Lücke, die er dir zeigt.

Die Lücke, die extra Groß gemacht wird

Der Rechner zeigt dir zuerst dein Ziel ohne Inflation. Das soll beruhigend aussehen. Erst danach wird die Inflation eingerechnet, und plötzlich klafft eine Lücke von mehreren Tausend Euro im Monat. Diese Reihenfolge ist kein Zufall. Der beruhigende erste Blick macht den zweiten, alarmierenden Moment nur wirkungsvoller.

Deine Verwirrung als Werkzeug

Du sollst spüren, wie viele Optionen es gibt und wie unmöglich es ist, sie allein zu überblicken. Genug Verwirrung, dass du seine Hilfe annehmen musst. Aber nicht so viel, dass du aus dem Gespräch aussteigst. Deine Unsicherheit ist hier kein Nebeneffekt. Sie ist Teil des Plans.

Dein eigenes Ja gegen dich

Du füllst gemeinsam mit dem Berater einen Fragebogen aus, der deine Prioritäten festhält. Das erzeugt echtes Commitment, das ist psychologisch erst mal nicht falsch. Nur wird daraus ein Hebel: Kommt später ein Zweifel, ein anderes Angebot, eine zweite Meinung, hält dir der Berater genau das vor, was du im ersten Termin selbst gesagt hast. Deine eigene frühere Aussage wird zum Argument gegen deinen späteren Einwand.

Kein Angebot ohne dein Ja

Bevor du überhaupt konkrete Kosten oder Tarife siehst, soll der Berater dir ein Ja zum Konzept abholen. Erst danach kommt das eigentliche Angebot. Das dreht die normale Reihenfolge einer Kaufentscheidung um: Erst die Zustimmung, dann die Zahlen.

Dein/-e Partner/-in als Risiko

Nach dem Termin bekommst du oft ein persönliches Gutachten oder eine Zusammenfassung. Klingt nach Service. Tatsächlich soll es genau verhindern, dass dein Partner, eine Kollegin oder dein eigener Zweifel den Abschluss noch kippen. Die Person, die beim Gespräch nicht dabei war, gilt in solchen Vertriebsschulungen als größtes Risiko für den Abschluss. Ihr gesunder Menschenverstand ist für den Vertrieb ein Betriebsrisiko, das man vorsorglich neutralisiert.

Kurz gesagt: In diesen Gesprächen zählt eine einzige Zahl, deine Abschlusswahrscheinlichkeit. Dein Bedarf ist nur die Bühne dafür.

Ob der einzelne Berater sich dessen bewusst ist oder nicht, spielt am Ende keine Rolle. Das System ist genau so gebaut. Und ein System, das darauf ausgelegt ist, dich mit Angst statt mit Zahlen zu überzeugen, verdient kein Vertrauen, nur weil der Mensch am Tisch freundlich ist.

Woran du diese Manipulation erkennst

  • Du wirst nach deinem Wunscheinkommen gefragt, bevor überhaupt eine Zahl auf dem Tisch liegt.
  • Eine Rechnung wird dir zuerst beruhigend, dann alarmierend gezeigt.
  • Du sollst einem „Konzept“ zustimmen, bevor du Kosten oder Tarife siehst.
  • Deine eigenen Aussagen aus dem Erstgespräch werden dir später als Argument zurückgespiegelt.
  • Du bekommst nach dem Termin ein Dokument, das extra dafür gemacht ist, dass dir niemand mehr abrät.

Ich habe selbst zwölf Jahre lang Verträge gehalten, die ich nicht wirklich verstanden hatte, am Ende mit einer erwirtschafteten Rendite von 0,25 Prozent. Bei einem widerrufenen Vertrag stand es sogar schwarz auf weiß: 30% meiner gesamten Einzahlungen waren allein in Verwaltungs- und Abschlusskosten geflossen. Ich habe gekündigt, mich selbst finanzgebildet und bin heute unabhängige Finanzcoach auf Honorarbasis und Finanzmentorin.

Ich mache diese Manipulationsstrategien sichtbar, damit dir nicht der Albtraum widerfährt, den ich mit meinem Finanzdienstleister erlebt habe.

Du musst dafür keine Finanzexpertin werden. Du musst nur wissen, dass ein Gespräch, das sich zu glatt anfühlt, genau deshalb ein zweites Mal geprüft werden muss.

Wenn du deine eigene Altersvorsorge unabhängig durchleuchten und mit einem klaren Plan und gutem Gefühl die nächsten Schritte gehen willst, dann buche dir ein kostenloses Kennenlerngespräch. Ich nehme keine Provisionen und verkaufe keine Produkte.

Dieser Blogpost dient ausschließlich der Information und Einordnung. Das Coaching stellt keine Anlageberatung im rechtlichen Sinne dar, sondern dient ausschließlich der Information, Orientierung und Unterstützung bei der eigenständigen Entscheidungsfindung. Ich erbringe keine Finanzanlagenberatung gemäß § 34f GewO und gebe keine individuellen Anlageempfehlungen zum Kauf oder Verkauf konkreter Finanzinstrumente. Alle im Coaching besprochenen Inhalte beruhen auf sorgfältiger Aufbereitung und stellen keine verbindlichen Handlungsempfehlungen dar. Die Umsetzung finanzieller Entscheidungen erfolgt ausschließlich durch die Klientin oder den Klienten in eigener Verantwortung. Eine Haftung für wirtschaftliche Folgen oder mögliche Verluste wird nicht übernommen. Bitte beachten Sie, dass Kapitalanlagen, insbesondere Aktien und ETFs, mit Risiken verbunden sind, bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.
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