Eine Kundin hat mir kürzlich einen Vertrag gezeigt, der erst drei Jahre alt ist. Kein Altvertrag aus den Neunzigern, kein Auslaufmodell. Ein Vertrag, der heute noch genauso verkauft wird. Ich habe ihn mir angesehen, nachgerechnet, und drei Dinge gefunden, die zeigen, wie diese Produkte tatsächlich arbeiten, für den Vertrieb, nicht für die Kundin.
Die Kundin zahlt seit drei Jahren monatlich 300 Euro in eine fondsgebundene Rentenversicherung ein. Insgesamt eingezahlt: 11.200 Euro. Die Fonds in ihrem Vertrag haben im letzten Jahr rund 1.650 Euro erwirtschaftet, für sich genommen keine schlechte Zahl.
Dagegen stehen die Kosten des Produkts: 699 Euro, das sind 42,3 Prozent des Bruttofondsertrags, fast die Hälfte, die direkt in Abschluss- und Verwaltungskosten verschwindet. Übrig blieb der Kundin über die gesamten drei Jahre ein Zuwachs von 681 Euro auf 11.200 Euro Einzahlung, umgerechnet rund 6 Prozent, nicht pro Jahr, sondern insgesamt über drei Jahre. Das hätte sie auf einem verzinsten Tagesgeldkonto ähnlich erreicht, ganz ohne Fondsrisiko.
Der zweite Teil des Vertrags betrifft die Auszahlung. In vierzehn Jahren möchte die Kundin in Rente gehen. Der Versicherer prognostiziert bis dahin ein angespartes Kapital von rund 100.000 Euro. Verbindlich zugesagt ist davon nichts: Mindestkapital und Mindestrente stehen im Vertrag mit 0 Euro, eine Kapitalgarantie gibt es nicht. Bei schlechter Marktentwicklung könnte am Ende sogar weniger übrig bleiben als eingezahlt wurde.
Für das eigentlich garantierte Kapital gilt dabei nur ein Mindestrentenfaktor von 22: pro 10.000 Euro garantiertem Kapital zahlt der Versicherer monatlich mindestens 22 Euro Rente, lebenslang, ohne dass die Kundin Einfluss auf diese Auszahlung hat. Für die volle, aber unverbindliche Kapitalprognose von 100.000 Euro nennt der Versicherer selbst eine höhere Rente von rund 385 Euro monatlich.
Selbst mit dieser optimistischeren Prognose fließt das eigene Kapital erst nach rund 22 Jahren über die Rente zurück. Rechnet man stattdessen nur mit dem tatsächlich garantierten Mindestfaktor auf die volle Prognose, sogar erst nach rund 104 Jahren, ein Alter, das ohnehin niemand erreicht. So oder so: Das ist kein Vermögensaufbau mehr. Das ist eine Wette auf die eigene Lebenserwartung, bei der der Versicherer die besseren Karten hält. Genau das meint der Fachbegriff Zwangsverrentung: Die Kundin bestimmt nicht, wie und wann sie über ihr eigenes Kapital verfügt.
Der dritte Teil betrifft die Geldanlage selbst. Im Vertrag stecken fünf verschiedene Fonds. Auf den ersten Blick wirkt das breit gestreut. Bei genauerem Hinsehen investieren sie weit überwiegend im selben Marktsegment: große Unternehmen aus Industrieländern. Fünf Fonds, aber im Kern eine einzige Risikoklasse. Das ist eine Klumpenallokation, keine Diversifikation.
Vier dieser fünf Fonds sind aktiv gemanagt und kosten zwischen 1,44 und 1,99 Prozent pro Jahr. Der fünfte ist ein klassischer, weltweit gestreuter ETF auf Industrieländer, mit einer Kostenquote von 0,2 Prozent, also rund dem Zehnfachen weniger.
Hätte die Kundin ihre 300 Euro monatlich drei Jahre lang ausschließlich in diesen einen ETF investiert, sähe die Rechnung anders aus. Der zugrunde liegende Weltaktienindex legte im selben Zeitraum jährlich um rund 20, 26
und 7 Prozent zu, ein außergewöhnlich starker Markt. Statt 681 Euro Zuwachs wäre daraus je nach genauem Einzahlungsverlauf schätzungsweise das Vier- bis Zehnfache geworden, bei praktisch identischem Marktrisiko, nur ohne die zusätzlichen Kosten der vier aktiv gemanagten Fonds und der Versicherungshülle.
Diese drei Punkte lassen sich an jedem fondsgebundenen Rentenversicherungsvertrag prüfen:
Ich kenne dieses Spiel auch aus eigener Erfahrung. Drei fondsgebundene Produkte hatte ich selbst im Portfolio: eine fondsgebundene Riester-Rente, eine fondsgebundene Rentenversicherung, eine fondsgebundene Lebensversicherung. Abgeschlossen vor über zwanzig Jahren, gekündigt 2017. Am Ende immer dasselbe Produkt, egal ob vor zwanzig Jahren abgeschlossen oder heute.
Wenn du wissen willst, wie dein eigener Vertrag bei diesen drei Fragen abschneidet, schauen wir uns das gemeinsam an, in einem kostenlosen Kennenlerngespräch, anhand deiner tatsächlichen Zahlen. Link zu meinem Kalender.