Das AV-Depot kommt:

Warum dein nächster Vertrag nicht wieder eine Versicherung sein sollte

Du hast jahrelang in deinen Riester-Vertrag eingezahlt. Jetzt hörst du: Riester wird abgelöst, ein neues „Altersvorsorgedepot“ kommt. Klingt nach Neuanfang. Im Grunde weißt du aber noch nicht, ob das für dich wirklich besser wird, oder nur besser verpackt.
Ich habe verdeckt an einem Webinar teilgenommen, in dem ein Versicherer seinen freien Vertriebspartnern das neue AV-Depot erklärt hat. Nicht für Kundinnen gedacht. Für Vermittler, die damit Provision verdienen.

15 Millionen Verträge werden gerade neu verteilt

Im Webinar fielen zwei Zahlen: 15 Millionen Riester-Verträge kommen laut den Vertriebsunterlagen jetzt „in Bewegung“, 3,3 Millionen davon gelten als ruhend. Aus Vertriebssicht ist das kein Altbestand. Das ist ein großer, gerade beweglicher Markt. Wer als Vermittler jetzt vorbereitet ist, besetzt dich als Kundin, bevor du selbst aktiv wirst.

Die Sprache im Webinar sagt mehr als die Slides

Es fielen kaum Begriffe wie Verbraucherschutz oder Transparenz. Stattdessen: „Bestand als Pipeline“, „wiederkehrende Vergütung“, „NAV-Vergütung“, „Neugeschäft“, „Kombi von Anfang an denken“. Das ist Vertriebssprache für längere Kundenbindung über mehrere Produktbausteine hinweg, keine neutrale Vorsorge-Beratung.

„Voll investierbar“ heißt nicht automatisch frei

Beworben wird das AV-Depot mit Formulierungen wie „voll investierbar“ oder „Wahlfreiheit statt Verrentungspflicht“, ergänzt um Zusatzbausteine wie Basisrentenversicherungen und fondsgebundenen Rentenversicherungen. Klingt nach mehr Kontrolle für dich. Die Kernfrage lautet aber: Steckt dein Geld am Ende wieder in einem Versicherungsmantel, an dem der Vermittler laufend verdient, unabhängig davon, was dein Depot erwirtschaftet, oder sogar durch die NAV-Vergütung monatlich an deinem Depotzuwachs mitverdient?
Unsicher: Die genauen Konditionen des AV-Depot-Nachfolgeprodukts (Kosten, Bindungsfristen, Anbieter) waren zum Zeitpunkt dieses Webinars noch nicht final geregelt. Prüfe bei jedem konkreten Angebot die aktuellen Eckdaten selbst, bevor du unterschreibst.

Was du vor einem Wechsel wirklich prüfen solltest

Ein Wechsel weg von Riester ist nicht automatisch ein guter Schritt, nur weil er neu heißt.

Bevor du irgendetwas unterschreibst:

– Prüfe deinen Altvertrag: ob bei einem Übertrag alle Zulagen und Steuervorteile erhalten bleiben und bisherige Garantien erhalten bleiben

– Vergleiche die Gesamtkostenquote (TER) des neuen Produkts mit einem regulären ETF-Depot

– Kläre, ob ein Übertrag zu einem Neobroker möglich ist

– Frage konkret nach Bindungsdauer und Rückkaufswert, falls du doch vorher aussteigen willst

Ein günstiges, selbst bestimmtes ETF-Depot kann sinnvoller sein als ein neues Versicherungsprodukt, wenn dein Fokus auf Kontrolle, Transparenz und niedrigen Gebühren liegt.

Meine Erfahrung sagt mir, ich würde auf keinen Fall in ein neues Versicherungsprodukt übertragen

Ich habe selbst zwölf Jahre lang in Versicherungsprodukte eingezahlt, mit einer prognostizierten Rendite von 0,25 %. Beim Widerruf bekam ich schwarz auf weiß: 30 % meiner Beiträge waren in Abschlussprovision und Verwaltung geflossen. Deshalb prüfe ich heute jeden Vertrag auf Kostenquote, bevor ich über Rendite überhaupt spreche.
Bevor du deinen Riester-Vertrag in irgendetwas Neues überträgst, egal ob AV-Depot oder ein anderes Produkt, lohnt sich ein nüchterner Blick auf das, was du unterschreibst. In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam auf deinen Vertrag und was für deine Situation tatsächlich sinnvoll ist. Link zum Anmeldformular.

Dieser Blogpost dient ausschließlich der Information und Orientierung und stellt keine Anlageberatung im rechtlichen Sinne dar. Ich erbringe keine Finanzanlagenberatung gemäß § 34f GewO und gebe keine individuellen Anlageempfehlungen zum Kauf oder Verkauf konkreter Finanzinstrumente. Die Umsetzung finanzieller Entscheidungen erfolgt ausschließlich in eigener Verantwortung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse

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